08.09.2012 / Wochenendbeilage / Seite 6 (Beilage)

Der Held, den ich kannte

Franz Dobler
Meine Mutter stand am offenen Küchenfenster und rauchte. Sie hatte die Tür aufgesperrt, war sofort in die Küche getrampelt und hatte das Fenster aufgerissen. Alles mit einer Lautstärke, die Ärger ankündigte. Sie rauchte selten in der Wohnung, vielleicht mal eine am späten Abend zu einem Glas Wein. Am Donnerstag ging sie nach der Arbeit mit Freunden zum Kegeln, am Samstag abend bediente sie in der Bahnhofswirtschaft, und damit würde sie schon mehr als genug sündigen, meinte sie, da müßte ihr Laster nicht auch noch die Wohnung verpesten. Angeblich dachte sie dabei vor allem an mich. Wenn sie um sechs von der Arbeit heimkam und sich sofort eine Zigarette anzündete, hieß das, daß sie geladen war. Sie war total geladen. Das Wetter konnte es nicht sein, denn der Winter hatte sich endgültig verzogen und sie mußte nicht mehr auf Knien vor dem Hausmeister herumrutschen, damit er sich mal wieder um die Heizung kümmerte. Sie hatte beide Hände in die Hüften gestützt, auch die Hand mit der Ziga...

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