03.09.2012 / Feuilleton / Seite 12

»Wie Kühe und Kälber«

Abgestempelt: Eine Doppelausstellung zum Mädchenhandel von 1860–1930 in Berlin und Bremerhaven

Sabine Lueken
Dorothea Louise Ludwig, ein »sehr schmuckes Mädchen« von 18 Jahren, wurde von ihren Eltern, hessischen Bauersleuten, für 1000 Gulden an das Ehepaar Schneider als Landgängerin verkauft, »zum Abnutzen«. Davon bezahlten die Eltern ihre Schulden. Schneiders betrieben Mädchenhandel zwischen Hessen und San Francisco. Dorothea Luise wurde ein »Hurdy Gurdy Girl« in Kalifornien, so nannten die Goldgräber die Tanzmädchen aus Europa. Das war 1853. Olga Koprivec schrieb 1912 aus Zagreb ihren Eltern ins slowenische Godschee, daß dort Mädchen verkauft würden »wie Kühe und Kälber«. In einem wenig später aufgenommenen Polizeiprotokoll gab sie an, sie sei im Bordell »ganz zufrieden«. Raquel Liberman, eine junge Frau aus Berditschew bei Kiew, folgte 1922 ihrem Ehemann mit zwei kleinen Kindern nach Buenos Aires. Kurze Zeit später starb ihr Mann. Sie arbeitete als Prostituierte und erwarb dadurch sogar ein kleines Vermögen. Diese und zwölf weitere Biogra­phien – drei davon von Männern – bi...

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