31.08.2012 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Der Schlachthof Europas

Die hiesige Fleischindustrie boomt wie nie. Die Folgen dürften nicht nur Tierfreunde verärgern. Deutschland ist zu einem Eldorado des Lohndumpings geworden

Johannes Schulten
Es klingt wie aus einer anderen Zeit. Ein Subunternehmer des zur VION-Gruppe gehörenden Südfleisch-Schlachthofs im oberbayerischen Waldkraiburg macht Pleite. Am Tag darauf stehen ein rumänisches und ein deutsches Nachfolgeunternehmen auf der Matte. Doch anstatt die gut 170 Angestellten aus sechs Ländern weiterzubeschäftigen, wie es der Gesetzgeber vorsieht, sollen sie neue Verträge unterzeichnen, mit erheblichen Lohneinbußen. 50 Beschäftige weigern sich und werden prompt entlassen. Nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sollen in einigen Arbeitsverträgen Gehälter von 176 Euro monatlich plus Zuschüssen stehen. Auch ist von immensen Geldstrafen schon bei minimalen Schlachtfehlern die Rede.

»Da ist keine Ausnahme, sondern eher die Regel«, meint Bernd Maiweg. Der Gewerkschafter ist bei der NGG für die Fleischindustrie zuständig -- »eine der härtesten Branchen Deutschlands«, wie er sagt. Werkverträge, Leiharbeit, mafiöse Ar...

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