27.08.2012 / Feuilleton / Seite 12

Alarm und Tumult

Musik zur Unzeit

Robert Mießner
Als aus dem Akademikersohn James Osterberg Iggy Pop geworden war, spielte er mit seiner Band The Stooges aus Ann Arbor, Michigan mitreißend-gewalttätigen Protopunk. Zur Genrefolklore gehört, daß Pop sich auf Konzerten die nackte Brust mit Erdnußbutter einschmierte und in Glasscherben wälzte. Autoaggression im Performancekontext geht uns alle an, doch nicht heute.

Im späten August widmen wir uns »Fun House« (1970), der zweiten Stooges-LP, und speziell ihrer B-Seite. Auf ihr läßt sich hören, wie die Band ihren grimmen Garagenrock fortschreitend dekonstruiert, indem sie ihn mit Jazz kurzschließt. Zum Ende des Songs »1970« interveniert Tenorsaxophonist Steve Mackay das erste Mal. Sein Spiel konterkariert Pops trunkenes Röhren, auf dem Titeltrack »Fun House« wird es zu einer zweiten Stimme. Das Album schließt mit »L.A. Blues«, einer kollabierenden Melange aus Getrommel, Gebrüll und Gebläse. »Fun House« markiert eines der frühen Treffen zweier oft nur als entf...

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