21.08.2012 / Thema / Seite 10

Angst im Kapitalismus

Hintergrund: Psychische Überbelastung und Erkrankungen sind keine »schicksalhaften« Konstanten des Menschseins. Sie haben viel mit gesellschaftlichen Verhältnissen zu tun

Hans-Peter Brenner
Nennen wir sie Frau Schmidt. Ihr Leben hat mit ihren jetzt knapp über 50 Jahren einen gewaltigen Bruch erlitten. Über 17 Jahre hat sie für den in Insolvenz gegangenen Drogeriekonzern »Schlecker« gearbeitet; jetzt ist auch sie arbeitslos. Als Krebspatientin, die in permanenter Angst vor einem Rezidiv lebt, hat sie schon vorher mehr als genug Ängste auszuhalten gehabt. Nach der Schlecker-Insolvenz kommt noch die Ungewißheit hinzu, ob sie, die wegen ihres Gesundheitszustands als Schwerbehinderte eingestuft ist, überhaupt noch einmal einen Job bekommen wird.

Nach dem ICD 10, der Internationalen Klassifikation psychischer Störungen«, erhält sie von mir die Doppeldiagnose F32.1. (posttraumatische Belastungsreaktion) und F41.9. (Angststörung). Sie war früher aktives Gewerkschaftsmitglied, derzeit sieht sie sich außerstande, sich gemeinsam mit anderen Betroffenen zu wehren. Sie fühlt sich kraft- und energielos und hat zudem noch große Beziehungsprobl...

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