16.08.2012 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Auch mal die Guten loben

Ver.di zeichnet Einzelhändler für faire Arbeitsbedingungen aus. Doch sogar bei den Preisträgern tun sich Abgründe auf. Teilzeitbeschäftigung und Werkverträge größte Probleme

Johannes Schulten
Überwachung der Mitarbeiter, unbezahlte Überstunden, Schikane und Tarifflucht: Der deutsche Einzelhandel, mit fast drei Millionen Beschäftigten einer der größten Arbeitgeber des Landes, ist nicht gerade für gute Arbeitsbedingungen bekannt. Aber was können Konsumenten tun, wenn sie ohne schlechtes Gewissen einkaufen wollen? Für alle, die nach Alternativen zu den Lidls, Aldis und Kiks dieser Republik suchen, hat die Dienstleitungsgewerskschaft ver.di nun einen »Fair-Kauf-Führer« für Berlin und Brandenburg herausgebracht. Doch sogar unter den Preisträgern gibt es viele schwarze Scharfe.

Beispiel Reichelt GmbH Berlin. Die Edeka-Tochter bekam von ver.di die Silbermedaille im Bereich Lebensmittelhandel. Hier werden die gut 2000 Beschäftigten zwar nach dem gültigen Tarif bezahlt – allerdings nur am Tag: »Ab 20 Uhr kommen bei Reichelt fast nur noch Beschäftigte mit Werkverträgen zum Einsatz«, sagt Erika Ritter, Leiterin des Fachbereichs Handel bei ver.di B...

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