14.08.2012 / Betrieb & Gewerkschaft / Seite 15

Exemplarischer Streik

Auf Auslagerungen folgt meist Lohnverlust. Bei Piepenbrock in Ost-Brandenburg wehren sich 60 Arbeiter gegen miserable Bezahlung

Johannes Schulten, Eisenhüttenstadt
»Wer hat die Sechs gesehen, weiß irgend jemand, wo die Sechs ist«, fragt einer. Es ist Freitag, Punkt neun Uhr. Es regnet. Gut drei Dutzend Männer und zwei Frauen drängen sich unter einem kleinen Zelt am Rande eines Industriegebietes in Eisenhüttenstadt. »Piepenbrock Instandhaltung: Streik seit 55 Tagen!« prangt in großen roten Lettern auf einem weißen Transparent. Die Zahlen sind aus schwarzer Pappe und austauschbar. Heute ist der 56. Streiktag. Und der ist ein entscheidender. Die Kollegen wollen darüber abstimmen, ob sie den Ausstand aussetzen. »Für einige Tage in den Betrieb schauen, wieder Gehalt bekommen«, schlägt Streikleiter Michael Kalusniak von der IG BAU vor. »Wir müssen flexibel sein, nicht berechenbar. Laßt uns doch mal sehen, ob Piepenbrock die Aufträge für EKO auch ohne uns fertig bekommt.« »EKO«, wie hier jeder sagt, heißt eigentlich ArcelorMittal Eisenhüttenstadt und ist der Nachfolger des Eisenhüttenkombinats Ost, das der Stadt ihren Namen gab. Auch mehr als 60 Jahr...

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