04.08.2012 / Feuilleton / Seite 13

Deutsche Divisionen

Nie wäre Adenauer Kanzler geworden, wenn Augstein geschrieben hätte, was er über ihn wußte. Ein ARD-Dokudrama deckt alles zu

Otto Köhler
Ein ahnungslos gemachter Augstein fragt: »Glauben Sie, daß es möglich ist, die Deutschen zu einem friedlichen Volk zu erziehen?« Der Adenauer des Ersten antwortet: »Darin werde ich meine eigentliche Aufgabe sehen, wenn ich führender Mann im Staate werde: Die Deutschen zum Frieden zu erziehen.« Die Deutschen haben, wenn man von ihrer Spaltung 1949 absieht, Konrad Adenauer die Erfindung der Hammerkopfharke und des beleuchteten Stopfeis zu verdanken. Springers Hörzu, die »exklusiv zu Gast beim Dreh« war, meint nicht völlig zu Unrecht, dies sei »ein Leben, das geradezu nach einer Verfilmung schreit«. Die ARD hatte dieses Geschrei erhört und zeigt am Sonntag nach dem »Tatort« das sorgfältig frisierte Dokudrama »Konrad Adenauer – Stunden der Entscheidung« (vorab am Dienstag von Arte ausgestrahlt). Das Filmteam bekam, laut Hörzu, »kompletten Zugang« zu Adenauers musealem Haus in Rhöndorf, sogar zum »originale[n] rotweiß geblümte[n] Kaffeeservice« und produziert doch dessen Inhalt kal...

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