03.08.2012 / Inland / Seite 4

Bad Nenndorf vor Ausnahmezustand

Für Samstag Neonaziaufmarsch in niedersächsischem Kurort geplant. Antifaschisten machen mobil

Kai Budler
In Bad Nenndorf herrscht jedes Jahr am ersten Samstag im August der Ausnahmezustand. Seit Neonazis die Stadt mit etwa 10000 Einwohnern als Bühne für ihren geschichtsrevisionistischen »Trauermarsch« nutzen, gleicht der niedersächsische Kurort an diesem Tag einer Polizeifestung. Bereits zum siebten Mal soll der Zug am Wincklerbad in der Stadtmitte enden. In dem Gebäude der britische Militärgeheimdienst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hochrangige NS-Funktionäre verhört. Dabei war es auch zu schweren Mißhandlungen gekommen, drei Personen starben. Nachdem die Vorwürfe bekanntgeworden waren, wurde das Lager geschlossen, die Verantwortlichen mußten sich vor Gericht verantworten. Für die bundesdeutsche Neonaziszene sind die damaligen Ereignisse eine Steilvorlage bei dem Versuch, aus deutschen Täter Opfer zu machen. Längst gehört der »Trauermarsch« zu den festen Terminen in der Jahresplanung der Neofaschisten. Im Jahr 2010 marschierten knapp 1000 Neonazis dur...

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