01.08.2012 / Ausland / Seite 6

Angst, wenn die Trommel schlägt

Antialevitische Pogromstimmung in der Türkei. Staat rät Opfern zur Flucht und läßt Täter gewähren

Corinna Trogisch
Die türkische Ortschaft Sürgü bei Dogansehir im Fastenmonat Ramadan, in der Nacht des 28. Juli: Traditionell weckt ein Trommler die fastenden Muslime zum Sahur, der letzten Mahlzeit vor dem täglichen Fasten. Doch nicht nur Sunniten wohnen hier; etwa 250 Häuser sind von Aleviten wie der Familie Evli bewohnt. Als der Trommler bemerkt, daß sich in deren einstöckigem Haus niemand erhebt, bleibt er stehen. Er trommelt lauter, schlägt mit dem Klöppel gegen ihre Fenster. Die Bewohner verbitten sich das: »Laß das Trommeln hier. Wir fasten nicht, und wir gehen alle zeitig zur Arbeit.« Es kommt zu einem Wortwechsel, der Trommler geht. Doch später in der Nacht sammelt sich ein Mob von 50 bis 60 Leuten vor dem Haus. Sie werfen Steine, zünden den Stall an und skandieren: »Dogansehir wird zum Grab der Aleviten! Geht weg hier, oder wir bringen euch um!« Ja, sie erinnern sogar offen an das Massaker von 1993 im zentralanatolischen Sivas, dem 33 vorwiegend alevitische Juge...

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