27.07.2012 / Thema / Seite 10

Töten als Leistung

Der aufhaltsame Abstieg des James Holmes. Das Kinomassaker von Aurora/Colorado und seine Pathologisierung

Ingar Solty
In den fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern hat man sich mittlerweile dermaßen an Amokläufe und erweiterte Selbstmorde gewöhnt, daß nach ein paar Tagen Grusel-Voyeurismus die Tat schon wieder aus den Medien verschwindet. Der erste Schock über solcherlei barbarische Akte wird in der Regel überwunden, indem – wie zuletzt im Falle des Rechtsterroristen Anders Behring Breivik – der Täter pathologisiert wird. Wir erfahren, daß dieser, immerhin »aus unserer Mitte«, schizophren oder anders abnormal ist, weshalb sich allein der Versuch, seine Motive nachzuvollziehen, erübrige. Wird überhaupt die Frage aufgeworfen, wie eine Gesellschaft beschaffen sein muß, in der solche monströsen Taten zivilgesellschaftlicher Gewalt zur Normalität werden, dann kommt es in der Regel zum kulturalistischen Reflex: Ego-Shooter, Torture-Porn-Filme, aggressive Musik und all die Dinge, die die bürgerlichen Journalisten schon immer verachtet haben, um sich nach unten a...

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