23.07.2012 / Sport / Seite 16

»Ich bin ein Mann mit Muskeln«

Nie war der Sport so beliebt wie in der Weimarer Republik – sogar unter Schriftstellern

Annette Riemer
Ziehen uns aus, zu baden. Ich begnüge mich, meine Übungen näher dem Ufer anzustellen. Unangenehmer Geschmack des Seewassers. Das Wasser ist kälter, als ich vorausgesetzt.« Derart zurückhaltend kommentiert Franz Grillparzer seine ersten Schwimmversuche im Schwarzen Meer. Wir schreiben das Jahr 1843 und Sport, die »Leibesübung als Spiel und zum Vergnügen«, wie es die Brüder Grimm definierten, wird nur vereinzelt betrieben. Goethe etwa boxt seinen Kammerdiener nieder und Lenz wandert gern, Hans Christian Andersen schwimmt meisterhaft, doch als kulturelles Massenphänomen kommt der Sport erst gut ein halbes Jahrhundert später auf, wenn Friedrich Wolf (siehe Foto) gar nackt schwimmt (und deshalb verhaftet wird), Hermann Hesse unbekleidet in den Alpen klettert und sich sogar Franz Kafka in die Badehose schwingt – wenn auch voller Scham, seinen mageren Körper zu zeigen. Und es dauert noch ein paar Jahrzehnte mehr, bis Robert Musil voller Stolz behaupten kann: »Ich bin ein Mann mit Musk...

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