21.07.2012 / Thema / Seite 10

Ein »Kollateralschaden«

Hintergrund. Der Zerfall Malis als Folge des NATO-Angriffs auf Libyen ist Teil einer ­dramatischen Verelendung der gesamten Sahelzone. Destabilität kennzeichnet die Lage in der Region

Gerd Schumann
Gemeinsam mit seinen Nachbarn zählt das Binnenland Mali – gelegen im nördlichen Zentralafrika, 13 Millionen Einwohner – zu den ärmsten Ländern der Welt. ­Speziell sein Norden, ein Gebiet doppelt so groß wie die BRD, gilt als besonders trauriges Stück Elend. Auf der Mali-Website der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung (FES), die offensichtlich seit einigen Monaten nicht gepflegt wurde, ist zu lesen, daß die »Republik Mali« trotz aller Armut zu den »stabilsten Demokratien in Westafrika« gehört. Schließlich habe sie bereits »drei friedliche und demokratische Machtwechsel« vollzogen.

Waren mit diesen »Machtwechseln« die Unabhängigkeit von Frankreich am 22. September 1960 gemeint? Diese begründete tatsächlich – und im Gegensatz zu den meisten Nachbarstaaten – eine antikoloniale, vom Westen argwöhnisch beäugte und dann offen bekämpfte Entwicklungsrichtung. Sie hielt kein Jahrzehnt und wurde 1968 mit einem Putsch gegen den linken Präsiden...

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