17.07.2012 / Betrieb & Gewerkschaft / Seite 15

Kirchliche Dumpinglöhne

Studie der Hans-Böckler-Stiftung: Diakonie nutzt »Dritten Weg« als Konkurrenzvorteil auf dem Gesundheitsmarkt. Ausgründungen, Leiharbeit und Tarifflucht üblich

Daniel Behruzi
Ver.di bekommt im Kampf um Tarifverträge und das Streikrecht in kirchlichen Einrichtungen argumentative Schützenhilfe. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung veröffentlichte in der vergangenen Woche eine Studie, wonach die diakonischen Einrichtungen der evangelischen Kirche das dort geltende Sonderrecht (»Dritter Weg«) »aktiv als Geschäfts- und Wettbewerbsstrategie« nutzen, um sich gegen die sozialwirtschaftlichen Konkurrenten durchzusetzen. Wie andere Unternehmen auf dem »Gesundheitsmarkt« auch, versucht die Diakonie demnach mehr oder weniger flächendeckend, die Kosten durch Ausgliederungen, Leiharbeit, Werkverträge und unter Umgehung selbst der kircheneigenen Lohnregelungen zu senken. Fazit: Die »christliche Dienstgemeinschaft«, mit der die Verweigerung von Tarifverträgen und des Streikrechts begründet wird, existiert de facto nicht.

Seit Monaten macht ver.di mit einer Öffentlichkeitskampagne, örtlichen Arbeitsniederlegungen und einem zentralen Pr...

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