14.07.2012 / Wochenendbeilage / Seite 3 (Beilage)

Sozialreformerische Heuchelei

Rosa Luxemburg zur Frage, warum im Kapitalismus nicht nur Wirtschaftskrisen, sondern auch die Arbeitslosigkeit als eine Art Naturgewalt hingenommen werden

Die Arbeitslosigkeit ist nicht mehr, wie die Krise, ein Kataklismus (altgriechisch »hinunter-, wegspülen«. Bezeichnung für eine vernichtende Katastrophe – d. Red.), der die Gesellschaft von Zeit zu Zeit heimsucht: Sie ist heute in größerem oder geringerem Grade eine ständige alltägliche Begleiterscheinung des Wirtschaftslebens geworden. (…) Wie machtlos die heutige Gesellschaft der Arbeitslosigkeit, dieser furchtbaren Geißel der Arbeiterklasse, gegenübersteht, zeigt sich jedesmal, wenn der Umfang dieses Übels so groß wird, daß er die gesetzgebenden Körper zwingt, sich mit ihm zu befassen. Der regelmäßige Verlauf solcher Verhandlungen gipfelt nach langem Hinundherreden in dem Beschluß, eine Enquête, eine Umfrage, über die vorhandene Zahl der Arbeitslosen vorzunehmen. Man beschränkt sich in der Hauptsache darauf, den jeweiligen Stand des Übels zu messen, wie man bei Überschwemmungen den Pegel des Wassers mißt und im besten Falle durch schwächliche Palliativmittel in Gestalt...

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