10.07.2012 / Feuilleton / Seite 13

Wodka und Sichel

Was ist der Mond, wenn kein zerschlagener Teller: Mexikanische Lyrik aus dem poetenladen

Antonín Dick
»Ich vernichte durch den kapitalismus ich da draußen im angesicht des schmerzes ökonomischen verlustes ich angesichts des lochs des anderen.« So schreit Minerva Reynosa (32) ihre Entfremdung heraus. Und bei Eduardo Padilla (35) betet ein Nihilist »für ein massives Desaster, das uns befreie von Herren und Sklaven gleichermaßen«. Von den Klassengegensätzen auszugehen, ist selbstverständlich für die junge mexikanische Dichtung, die in der aktuellen Ausgabe des Literaturmagazins poet zweisprachig vorgestellt wird. Herausgegeber ist Andreas Heidtmann vom Leipziger »poetenladen«.

Der Gesellschaftsform wird subversiv beigekommen. Voll sprühender Phantastik und sprachakrobatisch bis zur Gedichtlosigkeit. Es gilt schließlich, die poetischen Odysseen, in die man sich Hals über Kopf stürzt, auch wirklich durchzustehen. Wer sind diese Tollkühnen? Disziplinierte Partisanen des Geistes, die vor allem eins wollen: die Rückeroberung der Einheit von Gefühl und Verstand. ...

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