06.07.2012 / Feuilleton / Seite 12

Aus dem Giftschrank

Kreuzberger Notizen

Eike Stedefeldt
Am Ostrand des Luisenstädtischen Friedhofs kündet ein imposantes Grabmal mit der Hauptinschrift »Familie Robert Stock« seit hundert Jahren davon, wer Herr im Hause des am 13. Juli 1912 heimgegangenen Gründers der Deutschen Telephonwerke R. Stock & Co. GmbH war. Nämlich nicht die auch hier bestattete Sophie Stock, geborene Lübbert, deren in unbezahlter Heimarbeit gewickelte Blitzspindeln (jW vom 11. Mai) ihrem Manne erst den Weg von der Lohnarbeits- auf die Kapitalseite ebneten. »Hier ruht in Gott unsere liebe, gute, unvergeßliche Mutter, Schwieger- und Großmutter« meißelte man 1914 ihr zu Ehren in den roten Granit. »Hier ruht in Gott mein lieber Mann, unser treusorgender Vater, Schwieger- und Großvater, der Fabrik- und Rittergutsbesitzer Robert Stock« hatte dagegen sie zwei Jahre zuvor auf sein Drittel der Wand setzen und dabei den »Fabrik- und Rittergutsbesitzer« durch größere Lettern betonen lassen. Wie es Leute aus kleinen Verhältnissen so tun, die zu Geld und Macht gelangt sind. G...

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