05.07.2012 / Feuilleton / Seite 12

Transitmenschen

Vom Leben außerhalb gängiger Schubladen erzählt Olga Grjasnowa in »Der Russe ist einer, der Birken liebt«

Mona Grosche
Auch wenn Mascha in Frankfurt am Main lebt und studiert, ist sie doch ein »Transitmensch«. Geboren als Tochter jüdischer Kommunisten in Aserbaidschan, kommt sie mit ihren Eltern als Kind nach Deutschland. Ohne Sprachkenntnisse in den deutschen (Schul-)Alltag geworfen, beißt sie sich als Einzelkämpferin durch und lernt die neue Sprache, bis sie sie perfekt beherrscht. Und nicht nur diese: Dank eines Dolmetscherstudiums spricht sie als junge Erwachsene fünf Sprachen perfekt und stürzt regelmäßig ihre Mitmenschen in Verwirrung, die sie nur allzu gerne in eine (kulturelle) Schublade stecken wollen. Doch Mascha entzieht sich mit ihrer Lebensgeschichte und -weise eindeutigen Zuweisungen. Als nichtreligiöser Mensch kann sie mit dem Prädikat »Jüdin« nicht froh werden und flieht vor den antideutschen Solidaritätsfloskeln, mit denen beflissene Studienkollegen aufwarten. Und ebensowenig wie Deutschland mit seinem latenten und offenen Rassismus ihr zur Heimat taugt, ...

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