03.04.2012 / Feuilleton / Seite 13

Das Tageslicht naht

Harry Belafonte stellte in Berlin seine Autobiographie »My Song« vor und präsentierte den Dokumentarfilm »Sing Your Song«

Gerd Schumann
Eines Abends in Harlem, New York. Melvin Love kehrt erschöpft und niedergeschlagen von ihrem Tagesjob als Haushälterin in ihre winzige Wohnung zurück. »Millie«, wie Harry seine Mutter nennt, eine schöne Jamaicanerin, starrt tieftraurig ins Leere. Nach einer Weile fragt der verunsicherte Sohn, damals fünf Jahre alt, zaghaft, was geschehen sei. Sie antwortet nicht, sagt nur: »Wenn du mal groß bist, denk daran: Leg dich abends niemals schlafen, wenn du es tagsüber unterlassen hast, dich gegen eine Ungerechtigkeit zur Wehr zu setzen.«

Harold George Bellanfanti Jr., der am 1. März 1927 geboren wurde, erinnerte sich oft an die Episode mit Millie, nennt diese sein »Rosebud«: Es sei der Augenblick gewesen, »der sich mir dauerhafter und folgenschwerer eingeprägt hat als jeder andere«. Die Zeiten als Kind illegal in Harlem lebender Immigranten verformten seinen Namen zu Belafonte – vom »Schönen Kind« zum »Schönen Brunnen«. Die Erweckungsgeschicht...

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