29.10.2011 / Wochenendbeilage / Seite 4 (Beilage)

Nicht nur die Ärmsten hungern

In einer der reichsten Städte der Welt haben rund 1,4 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Einrichtungen wie die Yorkville Common Pantry versuchen, ihre Not zu lindern

Philipp Schläger, New York
Es ist häufig nur ein Straßenzug, der das Elend von ausuferndem Luxus trennt. Die 96. Straße in Manhattan ist eine solche Grenze. Sie scheidet East Harlem von der Upper East Side, sozialen Wohnungsbau und Obdachlose auf der einen Seite von Portiers in Uniformen und bewachten hotelartigen Residenzen auf der anderen. Die Diskrepanz zwischen Reichtum und Armut hat in den Vereinigten Staaten ein neues Rekordhoch erreicht. Seit Jahrzehnten waren nicht mehr so viele Menschen so arm und so wenige so reich. Die Spaltung ist nach Angaben des World Factbook des Geheimdienstes CIA sogar größer als in Schwellen- und Entwicklungsländern wie Rußland, China, Ägypten oder Jemen. Eine Stadt, in der diese Unterschiede besonders deutlich zu sehen sind, ist New York.

Nur wenige Straßen weiter nördlich der 96. befindet sich die Yorkville Common Pantry. Es ist Freitag morgen. Die Kantine im Kellergeschoß in der 109. Straße, nur einen Steinwurf vom Central Park entfernt, schli...

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