15.09.2011 / Ansichten / Seite 8

Neo-Osmanen

Erdogan als Held der arabischen Straße

Werner Pirker



Der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan scheint auf seiner Reise durch den »arabischen Frühling« offenkundig die richtigen Worte gefunden zu haben. Seine Rede vor den Außenministern der Arabischen Liga in Kairo war völlig undiplomatisch auf den von der arabischen Straße bevorzugten Ton abgestimmt. Erdogan verlangte ein Ende der israelischen Blockade des Gazastreifens, brandmarkte den israelischen Überfall auf die Gaza-Flotte als einen kriegerischen Akt und plädierte für die Anerkennung Palästinas als Staat. Als Vorsitzender einer islamischen Partei wußte er die Anhänger des politischen Islam ebenso für sich zu vereinnahmen wie die säkularen Kräfte mit seinem Bekenntnis zur Trennung von Staat und Religion.

Unverkennbar war aber auch Erdogans Absicht, das türkische Modernisierungsmodell als Vorbild für die in Umbruch begriffene arabische Welt und die Türkei als regionale Führungsmacht zu empfehlen. Doch auch diese Neuerfindung untergegangener...




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