14.01.2011 / Kapital & Arbeit / Seite 9

Bevölkerung zahlt Zeche

Staatsverschuldung, Rettungsschirme, Etatkürzungen und deutsche Lohndrückerei: Finanzkapital und Regierungen treiben die EU tiefer in die Krise

Fabio Di Masi
Die »Diktatur der Finanzmärkte« (Nicolas Sarkozy) und deutsche Billiglöhne haben (West-)Europa sozialökonomisch verwüstet. Die BRD-Lohnstückkosten, also die Löhne im Verhältnis zur Produktivität, legten seit 2000 um sechs Prozent zu. Im Rest der Euro-Zone stiegen sie um mehr als 20 Prozent. Nicht zuletzt dies hat dazu geführt, daß die Bundesrepublik erheblich mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkauft, als eingekauft werden. Unter dem Strich heißt das: Die meisten unserer Handelspartner mußten sich immer mehr verschulden. Das trifft insbesondere viele EU-Länder bzw. die privaten Haushalte und Unternehmen dort. Und der Staat haftet für diese Verbindlichkeiten über Bankenrettung und sinkende Steuereinnahmen.

Beispiel Irland: Dort war die Schuldenquote des Staates, also die öffentlichen Verbindlichkeiten in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), bis 2007 auf 25 Prozent reduziert worden. In Deutschland lag sie damals bei 65 Prozent. Banken mit Si...

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