06.07.2010 / Schwerpunkt / Seite 3

Gedämpfte Jubelarien

Der Dalai Lama wird 75, eine gute Gelegenheit für propagandistische Tiraden gegen die Volksrepublik China. Doch der Hype um »Seine Heiligkeit« läßt nach

Colin Goldner
Am heutigen Dienstag feiert »Seine Heiligkeit« der 14. Dalai Lama, Tendzin Gyatsho, seinen 75. Geburtstag. Die hiesige Qualitätsjournaille, von Bild bis Spiegel, wird ihm den gewohnten Ehrerbietungsstrauß flechten aus schwiemeliger Hofberichterstattung und propagandistischen Breitseiten gegen China, die einschlägig Verdächtigen aus Politik und TV-Unterhaltung, von Roland Koch bis Marcus Lanz, werden ihm artig ihr Sprüchlein aufsagen. Und selbst Bundesaußenminister Guido Westerwelle wird, ungeachtet der Schwulenfeindlichkeit des »Führers vom Dache der Welt«, seine Reverenz erweisen.

Der Umstand, daß der Dalai Lama als oberster Repräsentant einem brutalen und ausbeuterischen theokratischen Unterdrückersysteme vorstand, bleibt dabei, wie üblich, unerwähnt. Kein Wort über die bittere Armut, in der die große Masse der Menschen in Tibet dahinzuvegetieren genötigt war, über ihre elenden Behausungen, die immer wieder grassierenden Hungersnöte; kein Wort zu Schul...

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