10.06.2010 / Schwerpunkt / Seite 3

Umorientierung in Ankara

Nach Israels Sturmangriff auf Gaza-Hilfskonvoi: Türkischer Ministerpräsident in Abwendung vom Westen gestärkt. Erdogan intensiviert Verbindungen zu Syrien, Iran und Rußland

Rainer Rupp
Das US-amerikanisch-türkische Verhältnis ist im Umbruch. Am Mittwoch lamentierte die New York Times: »Jahrzehntelang war die Türkei einer der fügsamsten Verbündeten der Vereinigten Staaten, ein strategischer Grenzstaat am Rande des Nahen Ostens, der zuverlässig der amerikanischen Politik folgte. Aber seitdem das Land in jüngster Zeit einen neuen Politikansatz in der Region verfolgt, um seine eigenen Interessen zu fördern, provoziert es Washington mit seinen Erklärungen und Methoden: « Dabei ist es nicht nur das inzwischen gespannte Verhältnis zum »eisernen Wächter« des US-Imperiums am Bosporus, das die Zeitung beklagt, sondern auch das sich abzeichnende Dilemma Washingtons, zwischen seinen zwei wichtigsten Verbündeten im Nahen Osten, zwischen Israel und der Türkei, wählen zu müssen. Denn seit dem tödlichen Sturmangriff der israelischen Marine auf die »Mavi Marmara«, das türkische Leitschiff der Hilfsflotte für Gaza, am 31. Mai in internationalen Gewässern...

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