04.06.2010 / Thema / Seite 10

Skandal in Torgau

Hintergrund. In der sächsischen Kleinstadt stehen seit Ende Mai zwei Denkmäler: für die Opfer der Wehrmachtjustiz und die des »Stalinismus«. Aktuell wird auch des Nazimediziners Friedrich Timm als Leidtragender des Stalinismus gedacht

Robert Allertz
Erich Wagner war 27 Jahre alt, approbierter Mediziner und SS-Sturmbannführer, als er im November 1939 Lagerarzt in Buchenwald wurde. Nach Jahresfrist reichte er an der Universität Jena bei Prof. Dr. Friedrich Timm seine Dissertation ein. Das Thema lautete: »Ein Beitrag zur Tätowierungsfrage«. Die Arbeit wurde mit »Sehr gut« bewertet und Wagner zum Dr. med. promoviert. Der Buchenwald-Häftling Gustav Wegerer, Kapo in der Pathologischen Abteilung des KZ, sagte später aus: »Der SS-Arzt Dr. Wagner machte eine Dissertationsarbeit über Tätowierungen, wobei auffällig war, daß die von ihm bestellten Häftlinge starben und ihre Tätowierungen abgelöst wurden. Es ist anzunehmen, daß sie von ihm im Krankenhaus liquidiert wurden.« Für diese »wissenschaftliche« Arbeit, die im übrigen von einem KZ-Insassen verfaßt worden war, hatte Wagner 800 tätowierte Buchenwald-Häftlinge »untersucht«. Insbesondere wollte er damit Zusammenhänge zwischen »Tätowierung und Verbrechertum« b...

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