02.06.2010 / Ausland / Seite 2

»Wir wurden mit Kabelbindern gefesselt«

Brutales Vorgehen des israelischen Militärs bei dem Überfall auf den Hilfskonvoi nach Gaza. Ein Gespräch mit Inge Höger

Peter Wolter
Inge Höger ist abrüstungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linkspartei

Sie waren an Bord des türkischen Schiffes »Mavi Marmara« – wie haben Sie den Überfall israelischer Soldaten auf den Konvoi erlebt, der Hilfsgüter nach Gaza bringen wollte?

Wir hatten damit gerechnet, daß Israel es nicht so einfach hinnehmen wird, daß eine Flotille mit Hilfsgütern und rund 700 Menschen an Bord nach Gaza fährt. Einen so brutalen militärischen Überfall hat aber niemand erwartet.

Was haben Sie davon mitbekommen?

Die Schüsse habe ich nicht gehört, ich war unten im Schiff, im »Frauendeck« – das war anfänglich abgeschlossen, wohl vorsorglich zu unserem Schutz. Über den Bordlautsprecher informierte uns der Kapitän, der Frachter sei von den Israelis übernommen worden. Wir sollten zu den übrigen Passagieren in ein anderes Deck gehen – was wir auch taten.

Verschiedene Leute berichteten mir dann, was sich an Deck abgespielt hatte, wie kriegerisch und brutal die israelischen Spezialkräfte vorgegangen sind. Bei Sonnenaufgang wurde unser Schiff plötzlich von Schnellbooten und anderen Kriegsschiffen umringt, von Hubschraubern ließen sich Soldaten auf das Deck herunter. Dann wurden wohl Tränengasbomben gezündet, und es fielen die ersten Schüsse.

Über die Zahl der Toten gibt es unterschiedliche Angaben – von zehn bis 19. Können Sie zur Aufklärung beitragen?

Wie viele es waren, kann ich aus dem, was ich gehört und gesehen habe, nicht beurteilen. Unser Kollege vom IPPNW, der Arzt Matthias Jochheim, hat vier Leichen gesehen – ich selbst allerdings keine. An vielen Ecken an Bord wurden jedenfalls Verletzte versorgt, es gab auf dem Schiff eine eigene Sanit...

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