19.08.2009 / Inland / Seite 8

»Dieser Freispruch ist schwer nachzuvollziehen«

Ein Gefängnispsychiater verletzte offenbar seine Sorgfaltspflicht – Häftling beging Selbstmord. Gespräch mit Sabine Ergün

Gitta Düperthal
Sabine Ergün, Sprecherin des Hessischen Flüchtlingsrates, hat den Prozeß gegen den Gefängnispsychiater Heinrich W. wegen fahrlässiger Tötung des Abschiebehäftlings Mustafa Alcali beobachtet

Das Amtsgericht Frankfurt/Main hat am Freitag den 81jährigen Gefängnispsychiater Heinrich W. vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Er mußte sich verantworten, Mustafa Alcali, der sich im Juni 2007 in Abschiebehaft das Leben genommen hatte, nach nur einem Gespräch für gesund und abschiebefähig erklärt zu haben. Warum kritisieren Sie das Urteil?

Der Freispruch ist schwer nachzuvollziehen. Gutachter haben nachgewiesen, daß Mustafa Alcali deswegen in seiner Zelle starb, weil W. seine Sorgfaltspflicht verletzt hat. W. hat demnach eine falsche Diagnose gestellt, laut der lediglich eine Persönlichkeitsstörung vorgelegen habe. Ein Kurzgutachten, das ihm Kollegen einer Hanauer Psychiatrie zugeschickt hatten, hatte er als »Gefälligkeit« für den kurdischen Abschiebe...

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