12.08.2009 / Inland / Seite 4

Münster-Tafel bestraft Widerspruch

Weil ein Hartz-IV-Empfänger junge Welt ein kritisches Interview gab, bekommt er keine Lebensmittel mehr. Sippenhaft: Seine Frau auch nicht

Gerrit Hoekman
Wer widerspricht, bekommt zur Strafe nichts zu essen. Daß dieses Erziehungsmittel aus der pädagogischen Mottenkiste hier und da noch Anwendung findet, erfährt gerade Moritz Seegers aus Münster. Seitdem er nämlich der jungen Welt Mitte Juni ein Interview gab, in dem er sich kritisch über die Arbeit der Münster-Tafel geäußert hat, erhält er dort keine Hilfe mehr. In vielen Städten sammeln die Tafeln in Supermärkten, Bäckereien und auf dem Wochenmarkt Lebensmittel, die nicht mehr an die Kunden verkauft werden können, und verteilen sie an Arme. In Münster sind es an die 7000 Menschen, die regelmäßig bedient werden.

»Als ich zwei Wochen nach dem Interview das erste Mal wieder zur Essensausgabe der Münster-Tafel kam, erwartete mich schon der Vorsitzende und teilte mir mit: Sie bekommen von uns nichts mehr«, erzählt Seegers, der seinen wirklichen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte. Hört die Nächstenliebe dort auf, wo die Meinungsfreiheit beginn...

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