23.05.2009 / Feuilleton / Seite 13

Verantwortung im Export

Der Spiegel macht den Holocaust zum »­europäischen Projekt«. Ein Angebot, das im Ausland schwerlich Abnehmer finden wird

Kurt Pätzold
Das Eintreffen des von den USA ausgelieferten Iwan Demjanjuk in München, wo ihm der Prozeß gemacht werden soll, hat den Spiegel (21/2009) zu einer Titelgeschichte über Kriegskollaborateure des faschistischen Deutschland veranlaßt, die insbesondere von jenen handelt, die an der Ausrottung der Juden beteiligt waren. Der Ukrainer Demjanjuk, der als sowjetischer Soldat in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten und vor die Wahl gestellt war, in einem Lager zu verhungern oder sich seinen Herren anzudienen, entschied sich für letzteres. Er wurde, was er beharrlich abstreitet, ein Büttel der deutschen Massenmörder.

Der Ort seiner Verbrechen war Sobibor, eine der drei berüchtigten Vernichtungsstätten im Osten des eroberten Polen. In der Sprache der Spiegel-Journalisten war Demjanjuk einer von »Hitlers europäischen Helfern beim Judenmord«. Seine Biographie bildet den Ausgangspunkt für eine weitgespannte Betrachtung, mit der sich die Absicht verbindet, das gemeinhin...

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