20.05.2009 / Schwerpunkt / Seite 3

Obama im Magazin Newsweek

Viel Verständnis in Washington für Alleingang Israels gegen Iran


Präsident Barack Obama gab am Mittwoch voriger Woche während eines Flugs von Washington nach Phoenix dem Magazin Newsweek ein halbstündiges Interview. Im Gegensatz zu einigen US-amerikanischen Politikern und Militärs, die Israel in den letzten Wochen vor den verheerenden Folgen eines militärischen Alleingangs gegen Iran gewarnt hatten, signalisierte Obama für eine solche Aktion grundsätzlich grünes Licht. Gleichzeitig gab er aber zu bedenken, daß seine eigene Strategie besser geeignet sei, Iran die Schuld an einer künftigen Konfrontation zuzuweisen. Hier ein Auszug aus dem Gespräch. Das gesamte Interview steht in der auf den 25. Mai datierten Printausgabe von Newsweek.

Newsweek: Premierminister Netanjahu kommt. Was erwarten Sie, wie Sie mit ihm über die Möglichkeit einer israelischen Militäraktion gegen Iran sprechen werden? Einige Leute meinen, daß wir (die Möglichkeit einer amerikanischen Militäraktion) nicht vom Tisch nehmen sollten.

Obama: Ich habe ganz klar gesagt, daß ich hinsichtlich Irans gar keine Optionen vom Tisch nehme. Wenn es um die Sicherheit der USA geht, nehme ich keine Optionen vom Tisch, Punkt. Was ich gesagt habe, ist, daß wir Iran eine Gelegenheit geben wollen, sich an den internationalen Normen und Regeln auszurichten. Ich denke, das wird für das iranische Volk letztlich besser sein. Ich denke, für die Islamische Republik Iran besteht die Möglichkeit, ihren islamischen Charakter beizubehalten und gleichzeitig ein angesehenes Mitglied der internationalen Gemeinschaft zu sein statt einer Bedrohung für seine Nachbarn. Wir wollen ihnen die Hand entgegenstrecken und versuchen, ein in den letzten dreißig Jahren praktiziertes Verhaltensmuster zu verändern, das für die Region keine Ergebnisse gebracht hat.

Nun, wird das funktionieren? Wir wissen es nicht. Und ich versichere Ihnen, daß ich mir über die Schwierigkeiten eines solchen Prozesses keine Illusionen mache. Wenn es nicht funktioniert, wird der Umstand, daß wir es versucht haben, unsere Position bei der Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft stärken. In diesem Fall wird sich Iran selbst isolieren, statt sich als Opfer der US-Regierung darstellen zu können, die angeblich Irans Souveränität nicht respektiert.

Newsweek: Und Sie erwarten, daß die Israelis als Verbündete Ihnen dabei folgen und keine einseitigen (Militär-) Aktionen unternehmen?

Obama: Nein. Sehen Sie, ich verstehe sehr gut, daß Israel Iran als existenzielle Bedrohung betrachtet. Angesichts mancher Äußerungen von Präsident Ahmadinedschad kann man die Gründe verstehen. So sind ihre Berechnungen der Kosten und Vorteile schärfer. Sie liegen genau in der Reichweite und ich glaube nicht, daß es mir zukommt, für die Israelis zu entscheiden, was ihre Sicherheitsbedürfnisse sind.

Ich kann aber mit Israel als Verbündetem darüber diskutieren, daß der von uns gewählten Herangehensweise eine Chance eingeräumt werden sollte und daß sie eine Aussicht auf Sicherheit bietet, die einigen anderen Alternativen überlegen ist, nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für Israel.

Übersetzung: Knut Mellenthin

Newsweek: Premierminister Netanjahu kommt. Was erwarten Sie, wie Sie mit ihm über die Möglichkeit einer israelischen Militäraktion gegen Iran sprechen werden? Einige Leute meinen, daß wir (die Möglichkeit einer amerikanischen Militäraktion) nicht vom Tisch nehmen sollten.

Obama: Ich habe ganz klar gesagt, daß ich hinsichtlich Irans gar keine Optionen vom Tisch nehme. Wenn es um die Sicherheit der USA geht, nehme ich keine Optionen vom Tisch, Punkt. Was ich gesagt habe, ist, daß wir Iran eine Gelegenheit geben wollen, sich an den internationalen Normen und Regeln auszurichten. Ich denke, das wird für das iranische Volk letztlich besser sein. Ich denke, für die Islamische Republik Iran besteht die Möglichkeit, ihren islamischen Charakter beizubehalten und gleichzeitig ein angesehenes Mitglied der internationalen Gemeinschaft zu sein statt einer Bedrohung für seine Nachbarn. Wir wollen ihnen die Hand entgegenstrecken und versuchen, ein in den letzten dreißig Jahren praktiziertes Verhaltensmuster zu verändern, das für die Region keine Ergebnisse gebracht hat.

Nun, wird das funktionieren? Wir wissen es nicht. Und ich versichere Ihnen, daß ich mir über die Schwierigkeiten eines solchen Prozesses keine Illusionen mache. Wenn es nicht funktioniert, wird der Umstand, daß wir es versucht haben, unsere Position bei der Mobilisierung der internationalen Gemeinschaft stärken. In diesem Fall wird sich Iran selbst isolieren, statt sich als Opfer der US-Regierung darstellen zu können, die angeblich Irans Souveränität nicht respektiert.

Newsweek: Und Sie erwarten, daß die Israelis als Verbündete Ihnen dabei folgen und keine einseitigen (Militär-) Aktionen unternehmen?

Obama: Nein. Sehen Sie, ich verstehe sehr gut, daß Israel Iran als existenzielle Bedrohung betrachtet. Angesichts mancher Äußerungen von Präsident Ahmadinedschad kann man die Gründe verstehen. So sind ihre Berechnungen der Kosten und Vorteile schärfer. Sie liegen genau in der Reichweite und ich glaube nicht, daß es mir zukommt, für die Israelis zu entscheiden, was ihre Sicherheitsbedürfnisse sind.

Ich kann aber mit Israel als Verbündetem darüber diskutieren, daß der von uns gewählten Herangehensweise eine Chance eingeräumt werden sollte und daß sie eine Aussicht auf Sicherheit bietet, die einigen anderen Alternativen überlegen ist, nicht nur für die Vereinigten Staaten, sondern auch für Israel.

Übersetzung: Knut Mellenthin

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