02.05.2009 / Feuilleton / Seite 13

Ein offener Posten

Weitgehend ohne wissenschaftliche, politische und juristische Konsequenzen: die »Tödliche Medizin« der Nazis – im Jüdischen Museum Berlin fand dazu eine Konferenz statt

Sigurd Schulze
Vergangenes Wochenende wurde im Jüdischen Museum Berlin die »Bedeutung der NS-Verbrechen in der aktuellen Ethikdebatte« diskutiert. Eine Konferenz als Begleitprogramm zur Ausstellung »Tödliche Medizin. Rassenwahn im Nationalsozialismus«. Sie sollte, so die Kuratorin Margret Kampmeyer, die Defizite der Ausstellung ausgleichen. Dort werden zwar geistige und wissenschaftliche Urheber der Eugenik, der »Vererbungslehre« und der »Rassenhygiene« in Europa (vorrangig Deutschland) und den USA vorgestellt, aber eben nicht alle. Zum Beispiel hatte der Psychiater Karl Bonhoeffer, Direktor der Psychiatrischen Klinik der Charité, sich bereits 1923 für die »Aufbesserung der genischen Erbwerte des Volkes« und die Unfruchtbarmachung »geistig Minderwertiger« eingesetzt. Der bekannte Pathologe Robert Rössle befürwortete das Sterilisationsgesetz zwecks »Verhütung therapeutisch hoffnungslosen Nachwuchses«. Täter der Euthanasie war auch Otmar von Verschuer. Seine Verbindungen ...

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