12.02.2009 / Feuilleton / Seite 12

Innere Mühen

Vor zwanzig Jahren starb Thomas Bernhard

Ambros Waibel
»Selbstmord bei Thomas Bernhard« – das waren so die Germanistikthemen, die eine kleinstudentenstädtische Boheme in den neunziger Jahren bei DKP-Professoren einreichte, um mit Anfang Dreißig doch noch Magister zu werden. Und da inzwischen sowohl der M.A. als auch der deutsche DKP-Prof. in die ewige Rente geschickt worden sind, darf man Gutes von ihnen sagen: Der altersmilde Gelehrte akzeptierte nämlich das ihm widerstrebende Sujet äußerlich ungerührt, und der Magister wurde tatsächlich, wenn auch formalsadistisch oder stalinistisch gepiesackt, erworben. Später konnte man damit immerhin noch beim Lehr- oder beim Akademikerarbeitsamt vorstellig werden.

Nun ist Thomas Bernhard schon zwanzig Jahre tot, das Gebot, Verstorbenen nichts Böses nachzurufen, hat sich erledigt. Fangen wir trotzdem mit dem Guten an: Bernhard ist – ...

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