09.10.2008 / Ansichten / Seite 8

»Naiv, vom baldigen Ende des Kapitalismus auszugehen««

Die weltweite Finanzkrise hat auch eine soziale Ursache: die Welt der Billiglöhne. Ein Gespräch mit Emiliano Brancaccio

Waldemar Bolze
Emiliano Brancaccio ist Professor für Arbeitsökonomie an der Universität Sannio, Mitglied von Rifondazione Comunista und Berater der größten italienischen Metallarbeitergewerkschaft FIOM-CGIL

Sie behaupten, die Finanzkrise sei kein rein finanztechnisches Phänomen, sondern habe eine soziale Ursache. Wieso?

Ausgangspunkt ist die Schwäche der Arbeiterbewegung, die eine Welt der Billiglöhne ermöglicht hat. Diese Welt ist jedoch strukturell instabil, und das bekommen wir jetzt zu spüren. Jedes Land versucht heute, das Lohnniveau niedrig zu halten, womit auch die Binnennachfrage schwindet und für die eigenen Waren Absatzmärkte im Ausland gefunden werden müssen.

Dieser Mechanismus hat in den letzten zehn Jahren funktioniert, weil die USA als »Staubsauger« für die Produktionsüberschüsse anderer Länder fungierten. Und das nicht, weil die Löhne der amerikanischen Arbeiter so hoch gewesen wären, sondern weil in den USA eine gigantische private Verschuldung angehäu...


Artikel-Länge: 4087 Zeichen

Sie benötigen ein Online-Abo • jetzt bestellen

Bitte einloggen

Abo abschließen

  • Gedruckt

    Printabo

    Sechs mal die Woche: Hintergrund und Analysen, Kultur, Wissenschaft und Politik. Und Samstag acht Seiten extra.

    37,90 Euro/Monat Soli: 47,90 €, ermäßigt: 27,90 €
  • Online

    Onlineabo

    24/7: Sofortiger Zugang zu allen Artikeln und Beilagen. Downloads, Mailausgabe, Features, das ganze Archiv.

    16,90 Euro/Monat Soli: 21,90 €, ermäßigt: 10,90 €
  • Verschenken

    Geschenkabo

    Anderen eine Freude machen: Verschenken Sie jetzt ein Abonnement der Printausgabe.

    37,90 Euro/Monat Soli: 47,90 €, ermäßigt: 27,90 €

Kurzzeitabo abschließen

Zur aktuellen Ausgabe