10.09.2008 / Schwerpunkt / Seite 3

Disneyland an der Spree

Heute abend eröffnet in Berlin-Friedrichshain die zweitgrößte Multifunktionshalle Deutschlands. Anwohner fürchten Verdrängung. Widerstand kam zu spät in Gang

Jan Eisner
Früher, zu Herrn Lehmanns Zeiten in den achtziger Jahren, hätte so eine amüsante Geschichte beginnen können: Eine Busladung angereister Fans des Schlagersängers Roland Kaiser verirrt sich auf der Suche nach einer Kneipe in Kreuzberg und bekommt, konfrontiert mit Punks, herablassenden Kellnern und dem Anblick schmuddeliger Lokale, einen Kulturschock. Vermutlich hätten die Touristen Reißaus genommen, auf jeden Fall aber in Wanne-Eickel oder Cloppenburg was zu erzählen gehabt.

Steingewordener Zeitgeist

Im November aber, wenn Kaiser in der Arena der O2-World am Spreeufer spielt, dürfte es eher auf seiten der Kreuzberger und Friedrichshainer zum Schock kommen. Nicht eine Busladung Fans, sondern möglicherweise einige tausend werden sich in den ehemaligen Alternativbezirk ergießen. Denn demnächst werden außerdem Herbert Grönemeyer, Metallica, die Puhdys, der Eishockeyverein Eisbären und der Basketballverein ALBA Berlin für Besucheransturm in der O2-World sorgen...

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