24.05.2008 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Es fehlte organisierter Widerstand von unten«

Gespräch mit Alexander W. Busgalin. Über die Ursachen für den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Einführung des Kapitalismus in Rußland nach 1990 und den Charakter der heutigen russischen Gesellschaft

Frank Preiß
Alexander Wladimirowitsch Busgalin ist Professor für Politikwissenschaften an der Moskauer Staatlichen Universität, Koordinator der globalisierungskritischen Bewegung »Alternativen« und Chefredakteur des gleichnamigen Internet-Journals. alternativy.ru

Bruno Mahlow, der letzte Leiter der Abteilung internationale Beziehungen des ZK der SED, merkte kürzlich in einem Interview in dieser Zeitung (junge Welt vom 1./2. März) an, daß die arbeitende Klasse ihres Landes ihre Errungenschaften beim Zusammenbruch der UdSSR nicht verteidigte, sondern die Privatisierung der wichtigsten Unternehmen und die damit verbundene Verschlechterung ihrer Lage widerstandslos hinnahm. Dies sei auch in den anderen Staaten des sogenannten sozialistischen Lagers der Fall gewesen. Wie kann man sich das erklären?

Die Situation war sehr kompliziert. Es gab zwar Widerstand, es ist aber richtig, daß dieser sehr schwach war. Er nahm vor allem ...

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