13.05.2008 / Schwerpunkt / Seite 3

»Die Bilder im Kopf waren schwarz-weiß«

Eindrücke von der Fahrt nach Auschwitz. Gespräch mit einer Teilnehmerin

Sabine Funder
Olga, 22 Jahre, studiert in Fulda Sozialwissenschaft mit dem Schwerpunkt interkulturelle Beziehungen

Sie sind vor 16 Jahren mit Ihrer jüdischstämmigen Familie aus der früheren Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Wie war das, und inwiefern hat das Ihre Entscheidung beeinflußt, den »Zug der Erinnerung« nach Auschwitz-Birkenau zu begleiten?

Ich bin 1992 zusammen mit meinen Eltern und meiner damals vierjährigen Schwester aus Moskau nach Dillenburg in Mittelhessen immigriert. Bis zu meinem zehnten Lebensjahr ungefähr hatte ich persönlich keinen bewußten Bezug zum Judentum und wußte auch nicht, daß wir nach Deutschland gingen, weil wir Juden sind. Zu Hause wurde Jüdischsein eine ganze Zeit lang kaum thematisiert; meine Mutter hat dann jedoch eine jüdische Gemeinde in Dillenburg gegründet. So sind wir mitten ins jüdische Leben hineingekommen. Ich gehe allerdings nicht damit hausieren, Jüdin zu sein, weil ich dann in diese klischeebehaftete oder mythologisch...

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