01.04.2008 / Thema / Seite 10

Diffamiert und entrechtet

Vor 75 Jahren: Jüdische Bürger werden in Deutschland zu »Volksfeinden« erklärt. Antisemiten in Aktion – auf den Straßen, am Kabinettstisch, im Staatsapparat

Kurt Pätzold
Die Fotos, die an jenem 1. April 1933 in deutschen Städten, großen wie kleinen, gemacht worden sind, finden sich in unseren Schulgeschichtsbüchern und sind wieder und wieder in Zeitungen und Zeitschriften gedruckt worden. Vor Geschäften, deren Türen und Schaufensterscheiben mit der Aufschrift »Kauft nicht bei Juden« beschmiert wurden, sind Posten der nazistischen Sturmabteilungen (SA) aufgezogen, die Kaufinteressierte am Betreten der Räume hindern sollen. Viele Eigentümer haben darauf ihre Geschäfte selbst geschlossen. Die Aktion, für die es in der neueren deutschen Geschichte bis dahin kein Beispiel gab, war von der Nazipartei inszeniert worden. Für ihre Leitung wurde eigens ein »Zentralkomitee« installiert, an dessen Spitze Julius Streicher trat, der sich selbst den Titel des »Antisemiten Nr. 1« zulegte und der 1946 als einer der geistigen Urheber des zumeist Holocaust genannten Massenmordens in Nürnberg am Galgen enden wird.

Die »Boykott« ...

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