11.09.2007 / Feuilleton / Seite 13

»Sperre von oben«

Der heimliche 9/11-Hit »Selbst gemacht« von diebandbreite. Ein Gespräch mit Rapper Wojna

Jürgen Elsässer
Euer Video »Selbst gemacht« sorgt für Furore. Worum geht’s?

Wir stellen ein paar Fragen zum 11. September 2001. Zum Beispiel diese: »Habt ihr dat vielleicht selbst gemacht? Den Terror selber in die Welt gebracht? Habt ihr dat vielleicht selbst gemacht? Habt ihr dabei an dat Geld gedacht? Habt ihr dafür die eigenen Leute getötet, weil ihr dat Öl da drüben so dringend benötigt?«

Ist das Verschwörungstheorie zum Mitsingen?

Im Gegenteil. Nach dem 11. September sind wir noch davon ausgegangen, und davon war auch unser damaliger Song »Mr. Bush« inspiriert, daß da vielleicht jemand aus Wut über die Politik der USA zurückgeschlagen hat. Erst später haben wir uns Informationen besorgt, daß vieles am 11. September für einen »Inside Job« spricht.

Informationen woher?

Mich hat vor allem das Video »Loose Change« überzeugt.

Wie klappt es mit der Verbreitung von »Selbst gemacht«?

Das Video auf youTube wurde etwa 70000 bis 80000 mal angeschaut. Von unserer eigenen Website diebandbreite.de kann man es auch herunterladen, das haben bisher über 5000 Leute gemacht. Außerdem gibt es seit einer Woche auch eine CD.

Und wird man euch bald auch auf Viva oder MTV sehen können?

Unwahrscheinlich. Das hat schon 2001 mit unserem »Mr. Bush« nicht geklappt, obwohl wir da Redakteure in den Sendern gehabt haben, die uns gepusht haben. Aber von ganz oben gab es eine Sperre, solche Sachen zu bringen, nicht nur gegen uns gerichtet, sondern auch gegen den Talibansong der Toten Hosen.

Antinationale Gruppen haben euch vorgeworfen, daß ihr mit »Selbst gemacht« Antisemitismus verbreitet.

Völliger Quatsch. Diese Antinationalen sind für mich keine Linken, sondern faschistoide Antreiber. Wir spielen schon seit Jahren für die Gewerkschaft, die Friedens- und Antifabewegung – wie will man uns da in die rechte Ecke drängen? Zum Beispiel haben wir den Song »Kein Sex mit Nazis!« gemacht.

Ich nehme mal an, das ist die Rapvariante von »Kein Fußbreit dem Faschismus«?

Genau. Wir stehen eben nicht so auf dröge Pädagogiksongs wie manche Liedermacher, und können deswegen auch junge Leute besser erreichen. Deswegen hat uns auch die IG Metall für ihre »Das geht auch anders«-Kampagne 2004 engagiert.

Aber irritierend ist es schon für euch, daß euch jetzt rechte bis rechtsradikale Websites loben?

Logisch, das irritiert. Aber was soll ich tun? Wir bilden uns unsere Meinung aufgrund von vernünftigen Argumenten. Wenn irgendwelche Rechten aufgrund von vielleicht ganz anderen Argumenten zu ähnlichen Schlußfolgerungen kommen, habe ich nichts damit zu tun. Wir haben versucht, rechten Websites das Posten unseres Songs zu verbieten. Da die aber ihren Provider im Ausland haben und keine klagefähige Postadresse, können wir sie juristisch nicht zwingen. Im übrigen ist es ein Unding, wenn Leute wie wir in die Nazi-Ecke gedrückt werden, nur weil Nazis an einem Einzelpunkt eine ähnliche Meinung vertreten. Mit der Nazi-Keule soll generell jeder Versuch, sich eine eigene Meinung unabhängig vom Mainstream zu bilden, kaputtgemacht werden. Das ist ein Feldzug gegen die Vernunft an sich, und genau darin liegt für mich das Wesen des neuen Faschismus.


Diebandbreite: »Selbst gemacht« (Eigenvertreib, diebandbreite.de)

Logisch, das irritiert. Aber was soll ich tun? Wir bilden uns unsere Meinung aufgrund von vernünftigen Argumenten. Wenn irgendwelche Rechten aufgrund von vielleicht ganz anderen Argumenten zu ähnlichen Schlußfolgerungen kommen, habe ich nichts damit zu tun. Wir haben versucht, rechten Websites das Posten unseres Songs zu verbieten. Da die aber ihren Provider im Ausland haben und keine klagefähige Postadresse, können wir sie juristisch nicht zwingen. Im übrigen ist es ein Unding, wenn Leute wie wir in die Nazi-Ecke gedrückt werden, nur weil Nazis an einem Einzelpunkt eine ähnliche Meinung vertreten. Mit der Nazi-Keule soll generell jeder Versuch, sich eine eigene Meinung unabhängig vom Mainstream zu bilden, kaputtgemacht werden. Das ist ein Feldzug gegen die Vernunft an sich, und genau darin liegt für mich das Wesen des neuen Faschismus.


Diebandbreite: »Selbst gemacht« (Eigenvertreib, diebandbreite.de

Genau. Wir stehen eben nicht so auf dröge Pädagogiksongs wie manche Liedermacher, und können deswegen auch junge Leute besser erreichen. Deswegen hat uns auch die IG Metall für ihre »Das geht auch anders«-Kampagne 2004 engagiert.



Völliger Quatsch. Diese Antinationalen sind für mich keine Linken, sondern faschistoide Antreiber. Wir spielen schon seit Jahren für die Gewerkschaft, die Friedens- und Antifabewegung – wie will man uns da in die rechte Ecke drängen? Zum Beispiel haben wir den Song »Kein Sex mit Nazis!« gemacht.



Unwahrscheinlich. Das hat schon 2001 mit unserem »Mr. Bush« nicht geklappt, obwohl wir da Redakteure in den Sendern gehabt haben, die uns gepusht haben. Aber von ganz oben gab es eine Sperre, solche Sachen zu bringen, nicht nur gegen uns gerichtet, sondern auch gegen den Talibansong der Toten Hosen.

Artikel-Länge: 3182 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe