13.04.2007 / Thema / Seite 10

Der Bankrotteur mit dem zu kurzen Kragen

Der Bankier und die Nazis. Wie Hjalmar Schacht den Brecher der Zinsknechtschaft vor die Tür setzt und am Ende der mächtigeren Kapitalfraktion unterliegt (Teil II und Schluß)

Otto Köhler


Als nun aber Adolf Hitler in die Macht gekommen war, sah Schacht den neuen Reichskanzler nach seiner eigenen Darstellung erst in einem Rundfunkstudio wieder, wo er die Rede hielt: »Gebt mir vier Jahre Zeit«. Zum ersten Mal konnte er bei dieser Gelegenheit, bekannte Schacht 1953 in seinen Memoiren, in die »Seele dieses Mannes« hineinsehen.

Und Schacht sah dort dies: »Ich hatte den Eindruck, daß Hitler von der Last der Verantwortung, die ihm auferlegt war, schwer bedrückt war ... Was ich da an innerer Erschütterung vor mir sah, das konnte keine bloße Schauspielerei sein, das war echt. Es bestärkte sich bei mir die Hoffnung, daß dieser Mann auf den rechten Weg zu bringen sei.«

Schon zwei Tage nach der Machtübergabe machte sich Schacht dem Geschäftsträger der US-Botschaft als Hitlers wirtschafts- und finanzpolitischer Berater bekannt.

»Und nun meine Herren, an die Kasse«, sprach Schacht gut drei Wochen später am 25. Februar 1933 zur Elite der deutschen Indust...







Artikel-Länge: 20228 Zeichen

Willkommen bei der Tageszeitung junge Welt

Zum Aufrufen dieser Seite ist ein Onlineabo erforderlich.

Bitte einloggen

Hilfe und Informationen

Abo abschließen

Welche Vorteile bietet ein Onlineabo?

  • Zugriff auf das Archiv seit 1997, alle Artikel und Recherchewerkzeuge.
  • E-Mail-Abo im Text-, HTML- oder E-Pub-Format.
  • Zugriff auf Seiten im PDF-Format.
  • Verwalten eigener Lesezeichen.

Zur aktuellen Ausgabe