12.04.2007 / Thema / Seite 10

Er wußte, es würde kein Wunder geschehn

Der Bankier und die Nazis. Wie Hjalmar Schacht den Führer in die Macht führte (Teil I)

Otto Köhler
Irgendwann im Sommer 1932 hatte die Geduld des Bankiers ein Ende. Der Partner, so schien es dem Geldmann, wollte die Macht nicht ergreifen. Da konnte nur noch eine Perle deutscher Dichtkunst weiterhelfen. Und so schickte der Banker dem zögernden Freunde ungeachtet hoher Portokosten per Telegramm drängende Verse des friderizianischen Dichters Johann Wilhelm Ludwig Gleim (1719–1803) – mit dessen »Kriegsliedern« auf den Lippen hatten schon Generationen preußischer Grenadiere ihr Blutbad genommen. Telegramm-Text Hjalmar Schacht an Adolf Hitler:

»Auf Wunder warte nicht.

Sieh, deine Zeit fliegt hin

Und läßt dir keine Spur

Dahier von ihrem Gleis.

Auf Wunder warte nicht.

Du hast des nicht Gewinn

Die Götter helfen nur

Durch Tugend und durch Fleiß.«

Interpretation: Das Gedicht wurde in seiner Gänze 1932 trotz hoher Portokosten Gegenstand des Telegrammverkehrs, gewann also höchste Dringlichkeit. Der Absender Hjalmar Schacht war 1918 Mitbegründer der Deutschen Demokratischen...

















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