06.03.2007 / Thema / Seite 10

Die falsche Obrigkeit und die falsche Ideologie

Der renommierte K. G. Saur Verlag veröffentlicht ein dickleibiges »Lexikon der DDR-Historiker«, das aus Kaderakten abgeschrieben und voller Vorbehalte und Fehler ist

Werner Röhr
Von einem Lexikon über Wissenschaftler sollte man erwarten können, daß es mitteilt, worüber die dort Verzeichneten geforscht und was sie dabei geleistet haben. Im »Lexikon der DDR-Historiker« von Lothar Mertens liest man in den biographischen Angaben, welche Parteifunktionen diese Historiker in NSDAP, SED oder auch CDU ausübten, ob sie für das MfS arbeiteten oder Reserveoffiziere waren, ob sie den Vaterländischen Verdienstorden oder das Banner der Arbeit erhielten. Über ihre Forschungsgegenstände hingegen erfährt man nichts, über ihre Entdeckungen auch nicht. Ob ihre Leistungen schöpferisch und innovativ, ob sie solide und repräsentativ waren, welche Bedeutung ihr Schaffen für die Entwicklung der Geschichtswissenschaft und ihrer Gegenstände hatte, das kommt alles nicht vor. Forschungskontroversen unter ihnen hat es anscheinend nie gegeben. Der Autor des Lexikons behandelt sie nicht als Historiker, sondern als »Täter«, nämlich als »Parteiideologen« und bes...

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