04.01.2007 / Schwerpunkt / Seite 3

Diagnose: Verwahrlost

Verbrechen an Kindern in kirchlichen und staatlichen »Erziehungsanstalten« der BRD werden aufgearbeitet. Opferverband geht von rund 500000 Leidtragenden aus

Jana Frielinghaus
Von Medien und Politik wird derzeit gern suggeriert, noch nie seien so viele Eltern wie heute mit der Erziehung ihres Nachwuchses überfordert gewesen wie heute. Daß einem nicht unerheblichen Teil der Menschheit schon immer Geduld und Verständnis für kindliches Verhalten fehlte, wird dabei geflissentlich übersehen. In den goldenen Jahren des Wirtschaftswunders gab es nicht weniger mißhandelte und vernachlässigte Mädchen und Jungen als heute. Als Schuldige galten jedoch in der Regel nicht die Erziehungsberechtigten, sondern die Kinder selbst, die vielfach trotz längst bekannter reformpädagogischer Ansätze noch immer als von Natur aus defizitär bis »böse« angesehen wurden. Kirchliche und staatliche Träger von »Erziehungsanstalten« unterstützten Eltern eifrig dabei, sich lästig gewordener Brut zu entledigen. Oft wurden Kinder ohne Vorwarnung und ohne Angabe von Gründen abgeholt. In vielen Heimen wurde ihnen vor allem eins beigebracht: Daß sie eigentlich nicht...

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