02.09.2006 / Wochenendbeilage / Seite 1 (Beilage)

»Israel muß mit der Hamas verhandeln«

Gespräch mit Rolf Verleger. Über den notwendigen Kampf gegen Antisemitismus und die falsche Gleichsetzung des Judentums mit der Politik Israels

Winfried Wolf
Rolf Verleger ist Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Deutschland, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinschaften in Schleswig-Holstein und Professor für Medizinische Psychologie in Lübeck. Winfried Wolf, der in den sechziger Jahren mit Peter Verleger befreundet und mit dessen Bruder Rolf gut bekannt war, führte das Gespräch, das zeitgleich auch in der neuen Zeitung gegen den Krieg erscheint.

Ernst Israel Josef Verleger, Vater von Rolf Verleger, wurde 1899 in Bendzin bei Kattowitz geboren. Die Familie wanderte 1905 nach Deutschland (Falkenstein im Vogtland) ein. 1938 wird sie als »Nichtdeutsche« aus Sachsen nach Polen ausgewiesen. Sie lebt wieder in Bendzin und wird nach der Besetzung Polens nach Auschwitz verschleppt. Die erste Frau von Ernst Verleger und die drei Söhne werden in Auschwitz in den Gastod geschickt. Ernst Verleger überlebt und kehrt 1945 ins Vogtland zurück.

Sechs der sieben Geschwister von Ernst Verleger werden Opfer des Naziregimes. Die Großmutter väterlicherseits stirbt im KZ Theresienstadt.

Die Mutter von Rolf Verleger, Helga, wird 1925 in Berlin geboren. Sie lebt als Einzelkind mit ihren Eltern in Berlin. Deportation der Familie 1942 nach Estland. Ihre Mutter wird beim Aussteigen aus dem Zug zu einem Exekutionsplatz gebracht und erschossen. Auch der Vater überlebt Estland nicht. Helga wird, als die Front näher rückt, zurück nach Deutschland verschafft und kann sich auf dem Todesmarsch rechtzeitig mit drei Kameradinnen absetzen. Sie heiratet Ernst Verleger 1948 in Berlin.

1949 wird Sohn Peter geboren. Die Familie zieht 1951 nach Ravensburg in Oberschwaben und eröffnet dort mit vogtländischen Maschinen eine kleine Fabrik für Spitzenstickerei. 1951 wird Rolf, 1957 Schwester Hanna Miriam geboren. Vater Ernst Verleger stirbt 1965. Bruder Peter und Schwester Hanna Miriam wandern um 1970 nach Israel aus. Rolfs Mutter lebt in München und ist dort in der jüdischen Gemeinde aktiv.

In einem Brief an den Zentralrat der Juden, der schließlich öffentlich wurde, hast du die Politik der israelischen Regierung und den Libanon-Krieg kritisiert und dabei heftige Reaktionen aus den jüdischen Gemeinschaften und seitens des Zentralrats geerntet.

Ich habe nicht den Zentralrat als solchen kritisiert. Dazu bin ich innerhalb der jüdischen Gemeinschaft mit meiner Kritik am Libanon-Krieg viel zu sehr in der Minderheit. Mir ging es darum, meine Meinung in einer Zeit zu sagen, in der mir das geboten erscheint.

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1949 wird Sohn Peter geboren. Die Familie zieht 1951 nach Ravensburg in Oberschwaben und eröffnet dort mit vogtländischen Maschinen eine kleine Fabrik für Spitzenstickerei. 1951 wird Rolf, 1957 Schwester Hanna Miriam geboren. Vater Ernst Verleger stirbt 1965. Bruder Peter und Schwester Hanna Miriam wandern um 1970 nach Israel aus. Rolfs Mutter lebt in München und ist dort in der jüdischen Gemeinde aktiv.

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