03.06.2006 / Ansichten / Seite 3

»Eines Sozialstaates nicht würdig«

Neues Gesetz minimiert Arbeitsmarktchancen Obdachloser und verursacht Mehrkosten. Ein Gespräch mit Thomas Specht-Kittler

Ralf Wurzbacher

* Thomas Specht-Kittler ist Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e. V. (BAG W)

F: In Heimen lebende Wohnungslose haben laut Bundestagbeschluß vom Donnerstag nicht länger Anspruch auf Arbeitslosengeld (ALG) II. Wie bewerten Sie das?

Nicht der Ausschluß vom ALG II markiert den eigentlichen Skandal. Folgenschwerer ist die Tatsache, daß damit den Betroffenen der Zugang zur Beschäftigungsförderung der Bundesagentur für Arbeit verwehrt wird – und zwar selbst dann, wenn sie erwerbsfähig sind. Von den Obdachlosen in Heimen sind bis zu zwei Drittel gewillt und in der Lage zu arbeiten. Die Chancen dieser Menschen auf Integration in den Arbeitsmarkt werden nun aber per Gesetz minimiert. Dazu beschert die Neuregelung den Behörden wieder mehr Bürokratie, weil die Zuständigkeiten von Kommune und Arbeitsagentur mit Beginn und Ende eines Heimaufenthalts wechseln. Was die ganze Sache noch absurder macht: Wohnungslose, d...

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