17.01.2006 / Inland / Seite 15

Plötzlich evangelisch

Das Essener Krupp-Krankenhaus verkündete zum Jahresanfang den Wechel zum Diakonischen Werk, erklärte den Betriebsrat für aufgelöst und will schlechtere Kirchentarife anwenden

Daniel Behruzi

Die Dreistigkeit, mit der »Arbeitgeber« - private wie auch öffentliche - die demokratischen Rechte ihrer Beschäftigten mit Füßen treten, kennt offenbar keine Grenzen. Ein aktueller, besonders spektakulärer Fall betrifft das Essener Krupp-Krankenhaus, dessen Geschäftsleitung der erstaunten Belegschaft kürzlich den Übertritt vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zum Diakonischen Werk Rheinland bekanntgab. Die Folge: Statt des Betriebsverfassungsgesetzes gelte nun Kirchenrecht, der Betriebsrat sei mit sofortiger Wirkung aufgelöst und auf Neueingestellte werde der für die Beschäftigten schlechtere, kirchliche Tarifvertrag angewendet.

»Ich war wie vor den Kopf gestoßen«, berichtete der Vorsitzende des aufgelösten Betriebsrats, Manfred Altenschmidt, gegenüber junge Welt am Sonntag. Noch am 28. Dezember hatten sich die Beschäftigtenvertreter zum monatlichen Gespräch mit Geschäftsführer Rudolf Hartwig getroffen, ohne daß dieser ein Wort über den Verbandswechsel...

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