07.01.2006 / Thema / Seite 4

Im Schatten der Mauer

Palästinensisches Leben in dem kleinen Ort Anata nahe Jerusalem. Tränengas, Straßenkämpfe und Wut als Produkt eines monströsen, international geächteten Bauwerks

Leila Dregger

Nasefah Ibraheam, Lehrerin an der Secondary School von Anata, ist empört. »Es ist, als wollten sie eine Generation von Terroristen heranzüchten. Vor dem Mauerbau ging nie eine gewaltsame Tat von dieser Schule aus. Mit welchen Argumenten sollen wir jetzt die Schüler noch daran hindern, Steine zu werfen?«

Vor zwei Monaten, nach einem schulfreien Freitag, stand plötzlich eine über sechs Meter hohe Mauer mitten im Schulhof. Eine Information dazu hatte es vorher nicht gegeben, beteuert Nasefah. Sie muß es wissen, schließlich ist sie Mitglied des Gemeinderates von Anata, einem Vorort Jerusalems. Auch den Schülern steht seitdem nur noch ein Bruchteil des ehemaligen Raums zur Verfügung. Wo die 13- bis 18jährigen Jungen vorher in den Pausen Fußball spielten, gibt es jetzt einen anderen Sport. Und der beginnt um 11.30 Uhr.

Rund zwei Dutzend vielleicht 14jährige Jungen stehen an den Ritzen der Mauer und warten. »Jehud!« ruft einer. Tatsächlich, pünktlich zur Pau...



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