14.02.2005 / Ausland / Seite 3

Vergessene Bombenopfer

Das Gedenken gilt nur denen, die vor 60 und mehr Jahren ermordet wurden. Die Toten der letzten sechs Jahre werden beschwiegen, vor allem die jugoslawischen

Jürgen Elsässer

Ganz Deutschland trauert. Die eine Hälfte gedenkt der toten Deutschen, die im Zweiten Weltkrieg zum Beispiel in Dresden Opfer alliierter Luftangriffe wurden. Die andere Hälfte gedenkt der toten Juden, die zur selben Zeit zum Beispiel in Auschwitz vergast wurden. Kein Fernsehabend ohne marschierende SS-Leute, den geifernden Hitler, Krematorien vor untergehender Sonne. Guido Knopp, Lea Rosh oder Jörg Friedrich langweilen auf allen Kanälen.


Sieg über den Rest der Zeit

Je weiter das Nazireich in die Vergangenheit entschwindet, um so manischer die Beschäftigung damit. Nie wurde das Leiden der Verfolgten schöner beschworen als von Iris Berben, nie der Führer mehr vermenschlicht als von Bruno Ganz. Nie war Deutschland mehr in die eigene Geschichte vertieft – und die Regierung und das Kapital profitieren davon. Denn wer traut sich im Schatten der Shoa und des sogenannten Bombenholocausts noch solche Banalitäten zu beklagen...

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