26.11.2004 / Thema / Seite 10

Formierte Gesellschaft

Reinhard Opitz’ »These

Reinhard Opitz

»Namhaft« wurde der 31jährige Reinhard Opitz im Herbst 1965 als Kritiker des damaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard (CDU). Erhard hatte wie sein atlantisches Vorbild US-Präsident Lyndon B. Johnson (»The Great Society«, 1964) im August 1965 versucht, die gesellschaftliche Lage als institutionell neu formiert zu beschreiben und vor »einem überentwickelten Pluralismus« in Deutschland gewarnt. Übers »zu einseitige materielle Wohlstandsstreben« hinaus wollte Erhard gesellschaftliche Ziele »geistiger Natur« werthaft begründen und normativ als »Freiheit des Menschen für ein neues Zeitalter« setzen.

Dagegen hält in einem einige Wochen später in der Monatszeitschrift Blätter für deutsche und internationale Politik 9/1965 veröffentlichten Aufsatz der nicht nur politikhistorisch belesene, sondern auch literarisch gebildete Autor und hinterfragt das gesellschaftliche Leitkonzept im Zusammenhang mit der historischen deutschen Expansionsgeschichte. In seinem ersten »g...

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