22.09.2003 / Ausland / Seite 8

Retter, Propheten, Sehide

Clinton in Srebrenica begeistert empfangen. Fragen zur Bosnien-Politik des Ex-USA-Präsidenten

Jürgen Elsässer

Ein Verbrecher kehrt zwanghaft immer an den Tatort zurück, lautet eine kriminalistische Faustregel. Doch kaum jemand würde diese Regel auf William Clinton und seinen jüngsten Besuch im bosnischen Srebrenica anwenden. Für die Massenexekutionen muslimischer Bewohner dieser Stadt im Juli 1995 werden nämlich Radovan Karadzic und Ratko Mladic, Präsident und Generalstabschef der bosnischen Serben während des Bürgerkrieges, verantwortlich gemacht. »Sie wollten Macht durch Völkermord«, sagte der frühere US-Präsident, als er am Samstag unter dem Beifall von 30000 Besucher eine Gedenkstätte für die damaligen Opfer einweihte.

Clinton ist unter den Muslimen sehr beliebt, weil er unmittelbar nach der Eroberung Srebrenicas gegen Widerstände auch im NATO-Bündnis eine Intervention in Bosnien durchgesetzt hatte. Im August 1995 bombardierten US-Kampfflugzeuge zwei Wochen lang serbische Stellungen, mit ihrer Unterstützung konnten muslimisch-kroatische Bodentr...

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