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21.03.2019 / Feuilleton / Seite 24 (Beilage)

Bis an die Grenze der Kälte

Nichts für Sinnhuber: Hannah Arendt glänzte in Faschismusanalyse wie in Kafka-Exegese

Gerhard Henschel

Als sie in Nürnberg als Hauptkriegsverbrecher vor Gericht standen, leugneten sowohl der ehemalige Rüstungsminister Albert Speer als auch Adolf Hitlers Amtsnachfolger, der Großadmiral a. D. Karl Dönitz, dass sie etwas vom Völkermord an den Juden gewusst hätten. Selbst Hermann Göring, der den Sicherheitspolizeichef Reinhard Heydrich 1941 schriftlich mit der »Endlösung der Judenfrage« beauftragt hatte, erklärte sich für ahnungslos und betonte, dass »gerade die schwersten Verbrechen am geheimnisvollsten verschleiert wurden«.

Seltsam nur, dass die Publizistin Hannah Arendt im fernen New York genauer darüber informiert gewesen war als drei der höchsten Repräsentanten des faschistischen Herrschaftssystems. Im November 1944 sprach sie in ihrem Essay »Organisierte Schuld« von dem Regierungsziel, möglichst das gesamte deutsche Volk in die Komplizenschaft einzubeziehen: »Während die Verbrechen, die seit Beginn des Regimes in den Konzentrationslagern zur täglichen Ro...

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